13.03.2018

«Wer Verantwortung übernimmt, wird sicher belohnt»

Welche Vorteile das Working Capital Management bietet und inwiefern Unternehmen vom Swiss WCM Award, dem Swiss WCM Summit und der WCM-Studie profitieren können, weiss Rolf Renz, CFO von Siemens Schweiz.

Rolf Renz, Sie sind Jurymitglied des Swiss WCM Award. Warum haben Sie diese Aufgabe übernommen?

Nur Bares ist Wahres: Das durfte ich bereits Mitte der 80er-Jahre feststellen, als ich eine gut rentierende Firma sanieren musste, weil sie die Löhne der rund 700 Mitarbeitenden nicht bezahlen konnte. Bei Siemens kam ich dann zur Erkenntnis, dass mit einem ganzheitlichen Working Capital Management nicht nur die Liquidität verbessert werden kann. Durch die Reduzierung von Working Capital können der gesamte Geschäftswertbeitrag erhöht und die Prozesskosten reduziert werden. Heute ist die Siemens Schweiz AG mit ihrem Working-Capital-Umschlag an der Spitze des Konzerns. Ich bin also längst mit dem WCM-Virus infiziert und will damit auch andere anstecken.

Beim Swiss WCM Award gibt es zwei Kategorien. Welche sind das und inwiefern unterscheiden sie sich?

Es gibt zum einen die Kategorie «Performance Excellence», bei der herausragende Leistungen im WCM ausgezeichnet werden. Im Vordergrund steht also das Handwerk. Zum andern gibt es die Kategorie «Innovation». Hier liegt der Fokus auf originellen und zukunftsträchtigen Lösungen, die zum Unternehmenserfolg beitragen.

Wie wird man ein Gewinner? Worauf achten Sie und Ihre Jurykollegen?

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, das Working Capital kurzfristig zu optimieren. Wir wollen aber einen nachhaltigen Ansatz erkennen. Ausserdem muss das Unternehmen für die Partner in der Supply Chain sichtbar sein, und eine Winner-Lösung sollte auch auf andere Firmen übertragen werden können.

Warum sollten sich Unternehmen für den Swiss WCM Award bewerben?

Gegenfrage: Wer will bzw. muss nicht besser werden? Das Supply Chain Finance-Lab der Universität St. Gallen hat in einem Artikel festgehalten, dass versteckte Schätze in unseren Bilanzen schlummern. Ich bin überzeugt, dass jeder, der sein Geschäft gut genug kennt und offen ist, Verbesserungsmöglichkeiten ausloten kann. Mit dem Swiss WCM Award bieten PostFinance, die Schweizerische Post und die Universität St. Gallen Unternehmen die einmalige Gelegenheit, wichtige Erkenntnisse zu sammeln, zu nutzen und sich so noch besser auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Diese Möglichkeit sollte sich kein Unternehmen entgehen lassen. Wer Verantwortung übernimmt, wird sicher belohnt.

Die Preisverleihung findet am 28. August 2018 im Rahmen des Swiss WCM Summit in Zürich statt. Was erwartet die Besucher am diesjährigen Fachanlass?

Der Swiss WCM Summit findet bereits zum fünften Mal statt. Neben einem top Keynote Speaker werden die Teilnehmer einmal mehr durch aufschlussreiche Präsentationen und spannende Diskussionen frische Impulse für das Management des Nettoumlaufvermögens erhalten. Wir alle müssen immer wieder Produktivitätsfortschritte erzielen, und während die Industrie bei der Automatisierung eine Vorreiterrolle übernommen hat, sind in den kaufmännischen Bereichen viele Automatisierungsmöglichkeiten noch nicht voll ausgeschöpft. Ausserdem wird die WCM-Studie 2018 präsentiert, und es gibt viele Networking-Gelegenheiten. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Sie haben die WCM-Studie erwähnt. Warum sollten Unternehmen an der Studie teilnehmen?

Die Reduzierung von Working Capital ist zwar eine komplexe Herausforderung und operative Knochenarbeit, aber keine Zauberei. Die jährlich erscheinende Studie liefert neben gesamthaften Erkenntnissen aus dem WCM auch Anregungen für einzelne Handlungsfelder. Daher sollten auch Unternehmen, die aktuell nicht mit Liquiditätsengpässen konfrontiert sind, die Chance nutzen und durch eine systematische, umfassende Auseinandersetzung mit ihrem Working Capital Management für schwierigere Zeiten vorsorgen.

Welchen Stellenwert hat das Thema Working Capital Management bei Ihnen?

Siemens sei eine Bank mit einer angeschlossenen Werkstatt, habe ich einmal gehört. In der Tat waren wir in den letzten zehn Jahren mit rund 44 Milliarden Euro Free Cash Flow der grösste Cash-Erzeuger im DAX. Die Grundlage dazu ist neben einer soliden Ertragskraft eine fast ebenso hohe Kontinuität in der Cash-Generierung. Siemens hat bereits 1998 ein Handbuch mit der Methodik zur Analyse und Verbesserung der Working Capital Performance herausgegeben. Heute ist das erfolgreiche Management von Liquidität und Umlaufvermögen in den Genen der Siemens-Mitarbeitenden. Wir versuchen, alle Teilbereiche des Working Capital Management vom Transport- und Bestandesmanagement bis hin zum Debitorenmanagement aktiv zu optimieren.

Zur Person

Rolf Renz ist seit 2008 Chief Financial Officer (CFO) der Siemens Schweiz AG. Der diplomierte Betriebswirt arbeitete nach seiner Ausbildung in leitenden Funktionen in der Bank- und der Logistikbranche. 1990 stiess er zur damaligen Landis & Gyr Building Control AG, bei der er als Leiter Finanzen und Controlling zuerst für das Headquarter in Zug und später für die Region Asien/Pazifik verantwortlich war. Wenige Jahre nach der Übernahme von Landis & Gyr durch die Siemens AG wurde Rolf Renz 1999 als CFO in den Bereichsvorstand von Siemens Building Technologies berufen, wo er bis 2008 tätig war. Anschliessend führte er bis 2014 als CFO für Siemens die Region Süd-West-Europa. Rolf Renz fördert innerhalb des Unternehmens verschiedene Projekte zur Digitalisierung – auch im Working Capital Management.

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