13.10.2017

Digitalisierung im WCM: Was Unternehmen erwarten und wie sie investieren

Soeben ist die Working Capital Management Studie 2017 erschienen. Sie liefert nicht nur klassische Kennzahlen zum WCM, sondern auch spannende Ergebnisse zum Schwerpunktthema Digitalisierung. Finden Sie hier die drei wichtigsten Erkenntnisse.

Zum vierten Mal in Folge zeichnet die Working Capital Management Studie ein umfassendes Bild über das Working Capital Management (WCM) in Schweizer Unternehmen. Neben der Analyse der klassischen Kennzahlen und der Prozesse in den Teilbereichen des WCM (siehe Infobox) liegt das Hauptaugenmerk auf der Digitalisierung.

Wo Unternehmen Potenzial sehen

Denn die fortschreitende Digitalisierung bringt – in allen Teilbereichen des WCM – Veränderungen mit sich: Immer mehr manuelle Prozessschritte entfallen, und es entstehen neue Möglichkeiten zur Bereitstellung von Liquidität. Interessant ist das Potenzial, das die Unternehmen der Digitalisierung im WCM beimessen: 52% sehen den Vorteil primär in der Prozesseffizienz, 16% in der Reduktion des Kapitalbedarfs durch den Einsatz von ERP-Systemen und der damit verbundenen besseren Planung und 5% in neuen Finanzierungsalternativen. Judith Martin, die die Studie am Supply Chain Finance-Lab der Schweizerischen Post an der Universität St. Gallen mitverfasst hat, erklärt zum letzten Punkt: «Innovative Ansätze wie die Blockchain-Technologie führen zu einer grösseren Transparenz. Diese Transparenz wiederum erleichtert externen Anbietern die Risikobewertung und dem Unternehmen somit den Zugang zu neuen Finanzierungsquellen.»

Die drei wichtigsten Erkenntnisse

Analysiert man sämtliche Ergebnisse der Studie, lassen sich daraus drei wichtige Erkenntnisse ziehen:

1. Hohe Erwartungen, geringer Implementierungsgrad

Die Schweizer Unternehmen haben in allen Teilbereichen des WCM sehr hohe Erwartungen in die Digitalisierung. Sie erhoffen sich eine komplette oder teilweise Automatisierung und zwar bei Prozessen der Debitoren, der Kreditoren, der Bestände und der Liquidität. Gleichzeitig bleibt der Implementierungsgrad digitaler Ansätze in der Breite gering. Insbesondere fortschrittliche Ansätze finden noch selten Anwendung.

2. Grosse Unterschiede bei den Investitionsvolumen

In Bezug auf die Investitionsvolumen sind bei den teilnehmenden Unternehmen deutliche Unterschiede erkennbar. Während die obersten 20% 1,8% ihres Umsatzes in WCM-Digitalisierungsprojekte investieren, sind es bei den anderen 80% nur gerade 0,1%. Der grosse Teil der Unternehmen scheint aufgrund der Vielzahl an Ansätzen erst einmal zu beobachten und abzuwarten. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Hindernisse, die die Unternehmen für die Digitalisierung im WCM sehen: 48% der Befragten verweisen auf eine fehlende Strategie für dieses Thema, 44% geben fehlendes Know-how an, und für 34% sind die unausgereiften IT-Services und Lösungen ein Hindernis.

3. Prozesseffizienz im Fokus – aber nicht nur

Die Studie ging auch der Frage nach, in welche Digitalisierungsansätze die Unternehmen in den einzelnen WCM-Bereichen investieren.

Debitoren

Die teilnehmenden Unternehmen investieren im Durchschnitt 0,4% ihres Umsatzes in die Digitalisierung ihrer Debitoren (1,6% bei den Top-20-Unternehmen). Das Investitionsvolumen verteilt sich auf folgende Ansätze:

Bestände

0,5% des Umsatzes werden in die Digitalisierung der Bestände investiert (2% bei den Top-20-Unternehmen). Dabei werden folgende Ansätze verfolgt:

Kreditoren

Bei den Kreditoren beträgt das durchschnittliche Investitionsvolumen 0,3% des Umsatzes (1,4% bei den Top-20-Unternehmen). Die Investitionen entfallen auf folgende Ansätze:

Liquidität

Für die Digitalisierung des Liquiditätsmanagements werden im Durchschnitt 0,1% des Umsatzes (0,6% bei den Top-20-Unternehmen) in folgende Ansätze investiert:

«Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass bei allen Bereichen die Prozesseffizienz im Vordergrund steht. Insbesondere bei den Top-20-Unternehmen werden aber auch vermehrt fortschrittlichere Digitalisierungsansätze angewendet», sagt Judith Martin. Bei den Debitoren sind dies zum Beispiel Big Data Analytics oder Smart Contracts auf der Basis der Blockchain-Technologie, bei der Liquidität ist es das Cash Pooling, das vor allem für Grossunternehmen von Bedeutung ist.

Praxisbeispiele mit Mehrwert

Neben wertvollen Zahlen finden Unternehmen in der Studie für alle vier Teilbereiche des WCM auch Lösungsansätze in Form von konkreten Fallbeispielen. So wird etwa aufgezeigt, wie ABB ihre Bestände dank schlanken Prozessen und einer Just-in-time-Anlieferung reduzieren oder Roche die Finanzströme, Prozesse und Steuern mit Hilfe einer Inhouse-Bank bündeln konnte. «Mit diesen ergänzenden Beispielen schafft die Studie einen wertvollen Bezug zur Praxis und bietet einen zusätzlichen Mehrwert für die Leserinnen und Leser», sagt Judith Martin.

Working Capital Management 2017: Entwicklungen und Kennzahlen

WCM im Fokus
Gemäss der Working Capital Management Studie 2017 blicken Schweizer Unternehmen optimistisch in die Zukunft und rechnen mit einem deutlichen Anstieg ihrer Umsätze und Gewinne. Dies soll allerdings möglichst ohne einen Anstieg des Nettoumlaufvermögens erzielt werden. Entsprechend steht das WCM im Fokus.

Anhaltend geringe Finanzierungskosten
Die Kosten eines mittelfristigen Kredits bleiben sehr gering. 6% der Unternehmen erhalten sogar negative Zinsen. Trotzdem sank der Anteil der Bankkredite an der Finanzierungsstruktur in den letzten Jahren. Die Unternehmen möchten möglichst unabhängig bleiben.

Konstante Kapitalbindungsdauer
Der durchschnittliche Cash-to-cash Cycle für die Schweiz bleibt im Vergleich zum Vorjahr konstant bei 87 Tagen.

Erfolgswirkung des WCM
Die Teilnehmer betonen die positive Wirkung des WCM auf die zentralen Unternehmensziele. Diese positive Wirkung beschränkt sich nicht alleine auf die Liquidität, sondern umfasst unter anderem auch die Rentabilität und Prozesseffizienz.

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