13.04.2017

Wo das Working Capital Management in Fahrt kommt

Ein Unternehmen, das sich intensiv mit WCM beschäftigt, ist die SBB. Dazu startete die SBB eine umfassende Working-Capital-Management-Initiative. In einem ersten Schritt definierte sie in einer Ist-Analyse Stellschrauben zur Optimierung des Nettoumlaufvermögens. Welche dies sind, erklärt Stefan Eggli, Leiter Cashmanagement der SBB, im Gespräch.

Working Capital Management ist weit mehr als ein reines Finanzthema. Es greift tief in die Organisation ein. «Die grosse Herausforderung liegt in der organisatorischen Verankerung», sagt Stefan Eggli, Leiter Cashmanagement der SBB. Er ist für die 2015 gestartete Working-Capital-Management-Initiative verantwortlich. Dazu analysierte die SBB in einem ersten Schritt systematisch alle Bereiche und definierte Stellschrauben. Handlungsbedarf zeigte sich in folgenden drei Feldern:

Zum ersten beim Kreditorenmanagement. Die SBB AG zählt bei einem Einkaufsvolumen von knapp 5 Milliarden Franken jährlich über 570 000 Eingangsrechnungen. Die Hauptaufgabe im Kreditorenmanagement besteht laut Eggli in der Steuerung und effizienteren Gestaltung des Prozesses: Es gilt, Rechnungen möglichst automatisiert zu verarbeiten und den Freigabeablauf zu verkürzen, um die Rechnungen gemäss den branchenüblichen Zahlungszielen pünktlich zu begleichen. Um die Lieferanten an den günstigen Finanzierungskonditionen der SBB partizipieren zu lassen, prüft die SBB aktuell die Einführung eines Supply-Chain-Finance-Programms (siehe Artkel Supply Chain Finance) zur früheren Bezahlung der Lieferantenrechnungen.

Auch im Debitorenmanagement mit mehr als einer Million Fakturen und Zahlungseingängen pro Jahr ist neben den Zahlungszielen die operationelle Effizienz ein Kernthema. Die SBB steuert diesbezüglich den vermehrten Einsatz der E-Rechnung sowie längerfristig Lösungen im Mobile Payment an. Weiterer Handlungsbedarf zeigte sich bei der Cashlogistik in den Bahnhöfen. Hier wurden Massnahmen umgesetzt, welche die materiellen Bargeldbestände von rund 200 Millionen Franken rascher verfügbar machten.

Beim Bestandesmanagement steht die SBB in einem Zielkonflikt: Zum einen strebt sie bei strategisch wichtigen Teilen, wie zum Beispiel Weichen, eine hohe Verfügbarkeit und Servicequalität an, um den Betrieb sicherzustellen, zum andern bindet ein hoher Lagerbestand Kapital. Mit einer Analyse der Warenlager wird die SBB die Lagerstandorte optimieren. Ebenfalls ins Visier genommen werden der Einkauf und die Bestände von Verbrauchsmaterial. Diese Prozesse werden mit einer verbrauchsgetriebenen Bedarfsplanung optimiert. Als weiteres wichtiges Handlungsfeld wurde die zentrale Stammdatenführung identifiziert, um – bei den Beständen, aber auch in allen anderen Bereichen – vergleichbare Informationen erheben zu können.