09.12.2016

Grosse Scheine, kriminelle Wirkung?

Die 500-Euro-Note wird bis Ende 2018 aus dem Verkehr gezogen. Die Europäische Zentralbank (EZB) will so die Finanzierung von Straftaten und Terror erschweren. Dieser Schritt könnte auch Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft haben.

Bargeld macht Kriminellen das Leben leichter. Grosse Scheine sind in diesem Zusammenhang besonders beliebt, und so fand Mario Draghi, der Präsident der Europäische Zentralbank (EZB), dafür klare Worte: «Der 500-Euro-Schein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten.»

Trotzdem sorgt die Abschaffung des 500-Euro-Scheins, die die EZB Anfang Mai beschlossen hat, für Diskussionen. Verschiedene Ökonomen sind nämlich überzeugt, der Schritt sei auch mit Blick auf die Steuerung der Euro-Stärke erfolgt.

Terrorfinanzierung im Visier

Zum einen könnte der Euro nämlich abgewertet werden, falls Verbrecher künftig in grossem Stil auf andere Währungen setzen. Geht die Nachfrage nach dem Euro für Terrorfinanzierung und Geldwäscherei zurück, sind spürbare Folgen zu erwarten.

Zum anderen wird sich durch die Aufgabe der 500-Euro-Note die Bargeldhaltung verteuern. Wer künftig hohe Beträge in kleineren Scheinen hält, muss mit steigenden Kosten rechnen. Denn eine sichere Aufbewahrung wird schon allein wegen des grösseren Volumens kostspieliger. Dabei ist in Zeiten von Negativzinsen das Bargeld für viele Sparer und Profianleger besonders attraktiv.

Der Entscheid der EZB zeigt bereits Wirkung. Die Ausgabe des 500-Euro-Scheins wird zwar erst gegen Ende 2018 eingestellt, und 500-Euro-Scheine bleiben auch darüber hinaus gültig. Doch seit die Diskussion über das Ende des 500-Euro Scheins Fahrt aufgenommen hatte, sank die Zahl der Fünfhunderter. Ende 2015 waren 614 Millionen Stück des lilafarbenen Geldscheins im Umlauf, im April waren es nur noch deren 588 Millionen.

1000-Franken-Noten nicht in Gefahr

Für die Schweizerische Nationalbank (SNB), die eine Schwächung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro anstrebt, wird sich die Situation weiter zuspitzen. Die 1000-Franken-Note, die ohnehin schon der wertvollste Schein der Welt ist, dürfte sich bald noch grösserer Beliebtheit erfreuen. Dies sowohl bei Anlegern mit legitimen Gründen wie auch bei Akteuren, die illegale Transaktionen abwickeln.

Bei der SNB gibt man sich trotzdem gelassen. Man werde an der 1000er-Note festhalten. Die verfügbare Stückelung einer Währung sei nur ein Aspekt, der bei der Bargeldhaltung eine Rolle spiele. Auch für den Bundesrat steht die Abschaffung der grossen Note nicht zur Diskussion. Die hiesige Situation sei nicht mit jener in der EU vergleichbar.

Zum einen habe der Schweizer Franken weltweit nicht annähernd dieselbe Bedeutung wie der Euro. Zum anderen sei die Schweiz ein Land mit hohem Lohn- und Preisniveau und habe eine ausgeprägte Kultur der Bargeldverwendung. Zudem seien der Meldestelle für Geldwäscherei in jüngster Vergangenheit keine Verdachtsfälle gemeldet worden, bei denen die Verwendung von 1000-Franken-Noten relevant gewesen wäre.

Nettoumlauf in der Schweiz

Bargeldvolumen in Prozent des nominellen Bruttoinlandprodukts (BIP)

Die Verdrängung von Wechseln und Metallmünzen durch Banknoten führt in den Anfangsjahren der SNB dazu, dass der Notenumlauf stärker zunimmt als das nominelle BIP.

Das Ende des 2. Weltkrieges markiert eine Trendwende. Die Fortschritte in der Zahlungstechnologie lassen die Nachfrage nach Banknoten kontinuierlich schrumpfen.

Seit 2008 hat Bargeld wieder an Bedeutung gewonnen. Dahinter verbirgt sich die nach der Finanzkrise wiedererstarkte Attraktivität der Bargeldhaltung sowie das anhaltend tiefe Zinsniveau.